Verena Huber

Verena Huber

Verena Huber (*1938) wächst im Haus Huber von Paul Artaria und Hans Schmidt in Riehen auf. Nach Gymnasium und Vorkurs absolviert sie die Fachklasse für Innenausbau an der Kunstgewerbeschule in Zürich bei Willy Guhl. Davor macht sie ein Praktikum in der Wohnhilfe bei Reni Trüdinger. Diese Zusammenarbeit prägt Verena Huber stark, und es entsteht eine lebenslange Freundschaft zwischen den beiden Frauen.

Neben der Führung ihres eigenen Innenarchitekturbüros ist Verena Huber immer vielseitig in spezifischen Vereinen engagiert. So ist sie von 1969 bis 1973 Präsidentin der Vereinigung Schweizer Innenarchitekten VSI (heute VSI.ASAI) und von 1976 bis 1980 Präsidentin der International Federation of Interior Architects/Designers IFI. 1972 organisiert sie zudem den internationalen Kongress «Mitbestimmung im Wohnungsbau» in Zürich. Für das COG (Koordinationsgruppe Internationaler Organisationen für Umweltgestaltung) leistet sie wesentliche Vernetzungsarbeit. Aus dieser Vernetzung wächst ihr grosses Interesse für Osteuropa, wofür sie extra Russisch lernt. Dank ihrer Kontakte und Freundschaften konnte sie ihre vielseitigen Studienreisen immer mit den Menschen vor Ort durchführen. Der Fokus dieser Reisen liegt nicht allein auf der Architektur, sondern umfasst immer die ganze Kultur und Lebensweise in sowjetischen Ländern, wo der Konsum nicht so wie Europa nicht im Zentrum steht. .

Von 1980 bis 2003 unterrichtet Verena Huber am Technikum in Winterthur (heute ZHAW) Architektinnen und Architekten. Darüber hinaus ist Verena Huber in der Wohnbauforschung und als Fachjournalistin tätig.

Im 2022 verlieh das Bundesamt für Kultur Verena Huber den Schweizer Grand Prix Design für ihr vielseitiges Lebenswerk.

Das Archiv ai-s ist durch die Initiative von Verena Huber überhaupt entstanden. Während der Pandemie beginnt sie ihr eigenes Archiv zu bearbeiteten und ihr wird bewusst, dass bei vielen ihrer Kolleginnen und Kollegen ein enormer Schatz an Wissen und Werken schlummert, der unbedingt für die Nachwelt gesichert werden müsste, zumal die Innenarchitektur oft sehr kurzlebig ist.

Verena Huber bei sich zuhause in einer Wohnung mit Geschichte und Geschichten. Foto: Nina Kohler

Verena Huber

Verena Huber hat als Innenarchitektin öffentliche Räume und Objekteinrichtungen gestaltet. Innenräume interessierten sie, weil hier die Architektur auf den menschlichen Massstab trifft.

Sie beschäftigt sich intensiv mit Fragen des Wohnens. Schon früh ist sie in der Wohnbauforschung im Auftrag des Bundes tätig, wo es um Wohnwerte ging. Nach umfangreichen Grundlagenstudien im europäischen Raum (vor allem in Skandinavien) entwickelt sie eine Einrichtungsmethodik, die sich an die breite Öffentlichkeit richtet. Mit der Arbeitsgruppe «Dokumentation Wohnen» bietet sie Wohnberatung an und entwickelt das Thema Wohnen für den Schulunterricht.

Im eigenen Innenarchitekturbüro folgen in den 1970er-Jahren nach ersten kleineren Projekten grössere Aufträge: Restaurants, Hotels, Verkaufsräume, Bibliotheken und Schiffe. Unter anderem betreut sie zusammen mit dem Architekten Jakob Zweifel die Innenräume bei der Renovation des Schwesternhochhauses des Universitätsspitals Zürich. Ein weiteres Beispiel ist die Gründung der «Hand-Art» in der Zürcher Altstadt 1975. Mit Textilgestalterinnen entwickelt Verena Huber einen Laden, dessen Angebot und Einrichtung wie eine Werkstatt konzipiert ist. Mit diesem Konzept setzt sie einen neuen Trend. Mit ihrem Büro gestaltet Verena Huber auch die Inneneinrichtung des SBB-Feriensiedlung in Scuol des Architekten Max Kasper. Dafür entwickelt sie ein schlichtes Leitbild mit Möbeln und künstlerischem Schmuck.

Bei den Schiffen auf dem Bodensee erhält Verena Huber Unterstützung durch das künstlerische Schaffen von Rosmarie Vogt.

Auch nach dem Ende ihrer Tätigkeit im eigenen Innenarchitekturbüro bleibt Verena Huber aktiv. So initiiert sie mit dem Verein «MitOst» das Gruppenprojekt «Türen auf - wie wohnen wir, wie wohnen andere». Die verschiedenen Projektgruppen dokumentieren Wohnbeispiele aus sechs Ländern, die dann in einer Wanderausstellung vergleichbar präsentiert werden. Die Wanderausstellung reist bis nach Sibirien. Bei den Reisen zu den jeweiligen Ausstellungen wird sie immer von einer Schweizer Gruppe begleitet.

Eine von mehreren Schubladen, die jeweils ein Jahrzehnt von Verena Hubers Arbeits- und Privatleben dokumentieren. (Foto: Ariel Huber)
Die «Grundlagen zur Auswahl und Benützung der Wohnung» erschien 1977 und war das erste Heft der Schriftenreihe Wohnungswesen des Bundes.
Für das SBB-Personal entwarf der Architekt Max Kaspar 1980 in Scuol (GR) eine Feriensiedlung. Verena Hubers Büro verantwortete den Innenausbau. (Foto: Alfred Hablützel)
2006 entstand die Wanderausstellung «Türen auf - wie wohnen wir, wie wohnen andere». Diese zeigte, wie unterschiedlich Menschen in verschiedenen Ländern wohnen. (Grafik: Anton Snt)

Verena Huber

Oral History vom 19. Februar 2021
Interviewerin: Christina Sonderegger
Kamera: Eliane Huber
Dauer: 49:02 min

Objektschaufenster

Zum persönlichen Archiv von Verena Huber gehört der ehemalige Planschrank aus ihrem Büro, der nun die wichtigsten Erinnerungsstücke aus ihrem beruflichen und privaten Leben beherbergt. Mit dem Projekt «Objektschaufenster» werden ausgewählte Erinnerungsstücke aus allen Jahrzehnten aus dem Leben Verena Hubers filmisch ins Rampenlicht gerückt. Es handelt sich um Objekte, die sie nicht selbst gestaltet hat, aber die sie und ihre Arbeit geprägt haben.

Für die ausführliche Filmbeschreibung müssen die Filme über Youtube aufgerufen werden.

Entstanden zwischen 2023 und 2024
Interview, Archiv: Nina Kohler
Kamera, Schnitt: Ana Scheu Amigo

Oral History vom 19. Februar 2021
Objektschaufenster, Teil 0: 2019-2023, «Poster zum 80. Geburtstag». Dauer: 6:58 min
Objektschaufenster, Teil 1: 1938-1948, «Knöpfe aus dem zerstörten St. Dié». Dauer: 6:50 min
Objektschaufenster, Teil 2: 1949-1958, «Wohnhefte von Tante Meta zum Spielen». Dauer: 5:50 min
Objektschaufenster, Teil 3: 1959-1968, «Erste Projekte im Büro für Innenarchitektur». Dauer: 9:05 min
Objektschaufenster, Teil 4: 1969-1978, «Konzepte für Laien mit Textil und im Wohnen». Dauer: 9:55 min
Objektschaufenster, Teil 5: 1979-1988, «Schiffs-Innenarchitektur auf dem Bodensee». Dauer: 6:24 min
Objektschaufenster, Teil 6: 1989-1998. «Studentenaustausch mit Moskau». Dauer: 10:42 min
Objektschaufenster, Teil 7, 1999-2008. «Türen auf in Osteuropa». Dauer: 8:47 min
Objektschaufenster, Teil 8, 2009-2018. «Ein Workshop in Tbilisi öffnet Türen zur Familie». Dauer: 9:04 min