Jacques-Xavier Aymon

Jacques-Xavier Aymon

Jacques-Xavier Aymon (*1944) wuchs in Genf auf und entwickelte schon früh ein Interesse für Raum und architektonische Darstellung. 1963 trat er in die École des Arts Décoratifs (EAD) ein, wo er von Georges Brera, Henri Mozer, Charles Philippe, François Maurice, Gilbert Frey und Louis Martignoli unterrichtet wurde. 1968 schloss er sein Studium mit dem Diplom als Innenarchitekt ab. Auf Empfehlung von Jean-Marc Lamunière, der seiner Diplomjury vorstand, begann er seine berufliche Laufbahn zunächst als Praktikant und später als Mitarbeiter im experimentellen Architekturbüro Frei & Hunziker unter der Mentorschaft von Ugo Brunoni.

In der Folge entwickelte Aymon eine Laufbahn, in der berufliche Praxis und Lehre eng miteinander verbunden waren. Er arbeitete zunächst als freier Mitarbeiter und später als Innenarchitekt in seinem eigenen Büro ESPACES INTÉRIEURS, während er parallel dazu eine intensive Lehrtätigkeit ausübte. Ab 1975 übernahm er Stellvertretungen und Assistenzaufgaben an der EAD, bevor er 1982 vom Genfer Erziehungsdepartement zum Atelierleiter ernannt wurde.

Ab 1990 verantwortete er den Entwurfsunterricht im dritten Studienjahr des Studiengangs Innenarchitektur an der Haute École d’Arts Appliqués (HEAA). 1997 lud ihn Vincent Mangeat, Professor an der EPFL, ein, sich an der Lehre im ersten Studienjahr zu beteiligen, und übertrug ihm den Unterricht zu Geometrie, Abstraktion und Formen der architektonischen Darstellung. Es folgten zahlreiche weitere Engagements, darunter Expertentätigkeiten, Kooperationen mit dem Athenaeum in Lausanne, die Mitwirkung in Jurys und Kommissionen, die Begutachtung von Abschlussarbeiten sowie Gastlehraufträge an verschiedenen Institutionen.

Parallel dazu engagierte sich Aymon aktiv für die Anerkennung des Studiengangs Innenarchitektur als Fachhochschulausbildung (HES) und wirkte an mehreren Forschungsprojekten mit, darunter Design und Museografie (HEAD / ECAL). 2010 beendete er seine akademische Tätigkeit als Professor und Atelierleiter an der HEAD. Heute ist er weiterhin als unabhängiger Berater und Autor tätig.

Jacques-Xavier Aymon est architecte d’intérieur diplômé de l’École des Arts Décoratifs de Genève et professeur émérite à la HEAD Genève. Il a partagé sa carrière entre la pratique professionnelle et l’enseignement.

Jacques-Xavier Aymon

Das Werk von Jacques-Xavier Aymon ist geprägt von einer kontinuierlichen Auseinandersetzung mit Raum, Wahrnehmung, Darstellung und der Vermittlung von Wissen im Bereich der Innenarchitektur. Seine berufliche Tätigkeit reicht von den Anfängen in experimentellen Architekturbüros bis zur Gründung seines eigenen Ateliers ESPACES INTÉRIEURS, in dem er Umbauten, Raumgestaltungen und räumliche Interventionen realisiert. Diese zeichnen sich durch eine präzise Analyse des Ortes, konstruktive Sorgfalt und eine ausgeprägte Sensibilität für Materialien aus.

Sein Denken kommt auch in seinen Beiträgen zur Museografie und Forschung zum Ausdruck. Gemeinsam mit der ECAL leitete er das Projekt «Design et Muséographie», das zwei bedeutenden Persönlichkeiten der modernen Ausstellungsgestaltung gewidmet ist: Carlo Scarpa und Franco Albini. Die daraus hervorgegangene Publikation von 2009 verdeutlicht die Bedeutung, die er der räumlichen Vermittlung, dem Verständnis der Geschichte von Orten und der narrativen Dimension von Architektur beimisst.

Darüber hinaus realisierte sein Atelier verschiedene didaktische und kulturelle Projekte, darunter eine Ausstellung über die von Alvar Aalto entworfenen Bibliotheken. Diese wurde im Rahmen der UNO-Initiative «Dialog zwischen den Zivilisationen» im Palais des Nations in Genf gezeigt. All diese Arbeiten zeugen von einer Praxis, in der gebaute Räume – seien sie Innenräume, historische Bauwerke oder museale Inszenierungen – zu Trägern von Reflexion, Interpretation und Wissensvermittlung werden.

Von 1990 bis 2010 leitete Aymon sein eigenes Büro und verfolgte gleichzeitig eine Tätigkeit, die Forschung, die Betreuung von Studierenden, monografische Vorträge sowie Einsätze als Experte umfasste. Heute widmet er sich verstärkt dem Schreiben, insbesondere einem derzeit entstehenden Essay zum architektonischen Erbe, und organisiert thematische Studienreisen unter dem Titel «Une ville, un architecte» («Eine Stadt, ein Architekt»).

Sein umfangreicher Bestand an Dokumenten, Projekten, Schriften und Forschungsarbeiten vermittelt ein präzises Bild eines Werdegangs, der dem Verständnis, der Vermittlung und der Weiterentwicklung der Innenarchitektur gewidmet ist – verstanden als kulturelle, analytische und zutiefst engagierte Praxis.

Jacques-Xavier Aymon

Oral History vom 21. Mai 2025
Interviewerin: Lara Grandchamp
Kamera: Karoline Wirth, Retrospekt GmbH
Dauer: 56:07 min