Gian Franco Legler

Gian Franco Legler

Im elterlichen Haus in Ponte San Pietro bei Bergamo geboren, wächst Gian Franco Legler (*1922) als Auslandschweizer mit seinen drei älteren Geschwistern auf. Gian Franco Legler, kurz GFL besucht studiert nach der Mittelschule in Trogen/AR drei Jahre Architektur an der ETH. Auf Wunsch seines Vaters, der ihn im Familienbetrieb der Textilfabrikation nachziehen will, komplettiert er das Studium mit drei weiteren Semestern im Maschinen- und Werkzeugbau sowie einem Jahr Chemie. Diese Kenntnisse kommen ihm später bei der Fabrikation seiner Möbel und der Bearbeitung von Kunststoff zugute.

Er selbst will jedoch nicht im elterlichen Betrieb arbeiten, sondern sieht seinen beruflichen Werdegang als Produktgestalter bzw. Industriedesigner. Da es diese Ausbildung in der Schweiz noch nicht so gibt, wandert GFL 1951 nach Amerika aus und nimmt am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston ein Studium auf. Da nach der Auflösung des Bauhauses 1933 Chicago zum Hot Spot von Design und Architektur wurde, zieht es ihn, wie viele andere auch, in die Metropole am Michigansee. 1957–1961 führt GFL gemeinsam mit Jocko Hunt ein eigenes Büro. Und dank des Produktionserfolgs des schon Italien entworfenen und hergestellten Basket-Stuhls in den USA kann er bereits 1954 auch sein eigenes Studio eröffnen.

1963 zieht GFL in die Schweiz zurück und lässt sich in endgültig in Zürich nieder, wo er sein eigenes Büro für Design, Architektur und Innenarchitektur eröffnet. Es folgen der Aufbau der Vertriebsfirma INTARC AG, die zur späteren AAREA wurde. Und er eröffnet auch QUADER, seinen eigenen Showroom und Möbelladen, die ein wichtiger Eckpunkt darstellen für das Werk und Wirken des Designers und Innenarchitekt.

Gian Franco Legler in der Bellerive Bar 1992 (Quelle: Nachlass GFL)
Monografie über Gian Franco Legler: Caroline Holdener, Jeanette Blättler Legler, Meaulnes Legler (Hg.), Gian Franco Legler. Schweizer Designer & Innenarchitekt, Niggli Verlag 2023.

Gian Franco Legler

Seinen ersten grossen Erfolg feiert Gian Franco Legler mit seinem Stuhl «Basket». Entworfen hat er den stapelbaren Stuhl aus Rattangeflecht für das Restaurant Circolo im bergamaskischen Ponte San Pietro. Produzieren lässt er ihn von lokalen Handwerkern –  und es ist immer wieder das hochstehende Handwerk, für das sich GFL mit seinem Produktdesign stark einsetzt. Für den «Basket Chair» erhält GFL 1953 einen Good Design Award des Museum of Modern Art in New York. In diesem Zusammenhang begegnet er auch Charles Eames, der unabhängig von GFL einen formähnlichen Stuhl entwickelt hatte.

Der Stuhl wird rasch zu einer Designikone und dank dem Midcentury-Hype wird der «Basket» seit 2012 von FeelGood Design als Reedition in verschiedenen Materialien und Farben hergestellt. Auch ein anderes Produkt, die ausbalancierte Stehleuchte «Movalux», anfänglich von der italienischen Firma Arredoluce bis 1986 produziert, wird seit 2022 wieder von der Schätti Metallwarenfabrik AG in Schwanden hergestellt.

Für GFL gehören Möbeldesign und Innenarchitektur ganz eng zusammen. Das eine bedingt das andere, es geht um räumliche Atmosphären und darum, dass sich die Menschen und Gäste in den Räumen wohlfühlen, ohne dass die Funktionalität darunter leiden würde. Ein Beweis dafür sind seine Visualisierungen, die er jeweils bei Douglas Pringle in Auftrag gibt, und die den Innenraum zu einer Bühne machen für das Leben und Arbeiten, das in ihnen stattfindet. Das Ideal der integralen Gestaltung zeigt sich in seinen Restaurants, Hotels und ähnlichen halböffentliche Räume in erster Linie darin, dass er die Möbel und auch Beleuchtungen dazu selbst entwirft. Seine bekanntesten Projekte der Innenarchitektur sind u.a. die Jugendherberge Zürich 1965 von Architekt Ernst Gysel, wo die Jugi Kollektion entsteht; 1967 das Restaurant Zur Kantorei, Zürich, mit den Damigiane-Hängeleuchten; 1970 die Bellerive Bar, Zürich, für die er den «Bellerive Sessel» entwirft; die Innenraumgestaltung des Hotels Hauser in St. Moritz 1971; das Restaurant Hiltl in Zürich 1973, in dessen Zusammenhang der «Jaga» Stuhl entsteht. 1975 entwickelt er zudem für den Flughafen Zürich die Wartehallen-Reihensitze «FIG».

Im Archiv AIS befinden sich vorwiegend die Innenarchitektur Projekte und exemplarisch ein paar Stühle. Die Designprodukte von GFL, Stühle und Leuchten, sind im Museum für Gestaltung Zürich archiviert.

 

Die Visualisierungen, die GFL von Douglas Pringles anfertigen lässt, zeigen eine Virtuosität in der räumlich-atmosphärischen Darstellung. Für die Bellerive Bar entwickelt GFL ebenfalls die Möblierung des salonartigen Interieurs.
Die Bellerive Bar mit den gleichnamigen Sesseln (Quelle: Nachlass GFL)
Plan zum Bellerive Stuhl (Quelle: Nachlass GFL)
Bellerive Sessel in Grün und Cognac (Quelle: Nachlass GFL)
Restaurant Hiltl in Zürich, u.a. mit dem Stuhl «Jaga».
Tea Room im Hotel Hauser in St. Moritz (Quelle: Nachlass GFL)

Gian Franco Legler