Doris Dietschy

Doris Dietschy

Doris Dietschys (*1934) Karriere verläuft nicht geradlinig. 1951 beginnt die Baslerin in Genf eine Lehre als Bijouterie-Zeichnerin. Mit dem Tod der Mutter kehrt sie jedoch wieder nach Basel zurück und wird nach dem gestalterischen Vorkurs 1954 als einzige Frau in die Fachklasse für Innenausbau (FFI Basel) aufgenommen. Anschliessend arbeitet sie bei Paul Artaria, unternimmt Reisen nach Italien und versucht sich als selbständige Innenarchitektin.

Früh beeindruckt von der amerikanischen Moderne und offen für Neues, bewirbt sie sich 1960 beim Pratt Institute in New York und fühlt sich in der damaligen Aufbruchstimmung sofort wohl. Die Suche nach neuen Erfahrungen und Inspirationen führt sie zu einer kurzen Anstellung beim renommierten Architekten Ieoh Ming Pei und anschliessend zum Designer Alexander Girard. Von einer grossen Entdeckungslust getrieben, besucht sie auf der Rückreise in die Schweiz Mexiko, Japan, Hongkong, Thailand, Ägypten, Griechenland und Italien.

Nach drei Jahren beim bekannten Einrichtungsgeschäft Hofstetter in Basel wagt sie endgültig den Sprung in die Selbständigkeit und gründet 1965 ihr Einrichtungsgeschäft Dietschy Hausmann & Hausmann AG. Es war damals neben dem Wohnbedarf in Zürich das einzige Geschäft für modernes Wohnen mit Möbeln von Schweizer Gestalter:innen und Firmen. 1973 bis 1978 arbeitet sie auch mit Alfred Senn zusammen.

Der Wunsch nach Veränderung treibt Doris Dietschy zeitlebens an. Zahlreiche Reisen in Europa und Amerika, Lehrtätigkeiten und innovative Wohn- und Ausstellungsprojekte mit verschiedenen Schweizer Gestalter:innen, mit denen sie eine enge Freundschaft pflegt, prägen ihren Weg und ihr Schaffen bis heute.

Als Innenarchitektin und Besitzerin ihres eigenen Einrichtungsgeschäfts in Basel interessiert Doris Dietschy nicht die Frage nach dem schönen, sondern nach dem guten Wohnen. (Foto: Ariana Pradal)

Doris Dietschy

Neben dem Verkauf von Möbeln in ihrem eigenen Einrichtungsgeschäft betreut Doris Dietschy Umbauten für private Kund:innen. Ihr Anspruch ist es, diese auch für andere, sprich neue Lebensformen zu gewinnen. Es geht ihr nie um Stil, sondern das Erreichen einer positiven Veränderung der eigenen Wohn- und Lebenssituation. Der Prozess, das Einfühlungsvermögen und die imaginierten Möglichkeiten stehen im Zentrum: «Wohnen ist kein Zustand, sondern eine Tätigkeit, ein Prozess», so Doris Dietschy.

Bereits während ihrer Ausbildung interessiert sie sich für den Entwurfsprozesses. Das Modell ist für Doris Dietschy eine Möglichkeit, Raum sinnlich erfahrbar zu machen. Diese konkrete Arbeit am und mit dem Material im Raum gibt sie auch als Dozentin an der FFI Basel weiter. Mit dieser gestalterischen Methode ist sie damals ihrer Zeit weit voraus. Ende der 1950er-Jahre sieht sie keine grosse Zukunft mehr als Innenarchitektin und bildet sich in der Alexander-Technik aus. Dabei stehen die Architektur und die Energien des ganzen Körpers im Zentrum. Die positive Ausstrahlung eines Raumes beschäftigt sie aber weiter; genau so der Wunsch nach Veränderung.

Wohnen ist für Doris Dietschy immer die Möglichkeit zur Veränderung. (Prospekt: Vorlass DD)
Kleine Räume sind für Doris Dietschy kein Grund, sie nicht zu einem Wohlfühlort zu machen. (Vorlass DD)
Flexible Regale für Doris Dietschy zerteilen nicht, sondern verbinden und gliedern. (Vorlass DD)

Doris Dietschy

Oral History vom 10. Januar 2024
Interviewerin: Christina Sonderegger
Kamera: Karoline Wirth, Retrospekt GmbH
Dauer: 1:06:28 min